Aktuelles » Aktuelle Mitteilungen » Zum Sozialbericht 2016-05-06

Zum Sozialbericht

AWO fordert: Integration durch Bildungsteilhabe ermöglichen!

Der neu vorgestellte Sozialbericht kommt zu dem Ergebnis, dass Zuwanderer in Deutschland geringer gebildet und seltener erwerbstätig sind als Menschen ohne Migrationshintergrund. Zudem verdienen sie weniger und sind eher dem Armutsrisiko ausgesetzt. Gute Bildung erhöht aber die Chancen am  Arbeitsmarkt und senkt so das Armutsrisiko dieser Bevölkerungsgruppe. 

„Der Sozialbericht zeigt vor allem eines: Armut ist ein Teufelskreis für viele Einwandererfamilien, den sie nur durch gute Bildung durchbrechen können. Es reicht aber nicht aus, Integrationsgesetze zu verabschieden und Menschen zu Integrationskursen zu verpflichten, wenn ein diskriminierungsfreier Zugang zum Arbeitsmarkt, zur Bildung, zum Gesundheitswesen, zum kulturellen Leben und zum Wohnungsmarkt nur erschwert möglich ist“, so AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker.

Kinder aus Einwandererfamilien sind während ihrer Bildungswege häufig erheblichen Diskriminierungen ausgesetzt. Dem Bericht zufolge spielen dabei neben dem sozioökonomischen Hintergrund weitere Faktoren wie die institutionelle Diskriminierung, soziale und ethnische Segregation oder auch familiäre Verhältnisse eine Rolle. Dies erschwert ihre Teilhabemöglichkeiten innerhalb der Gesellschaft und fördert so ihre soziale und kulturelle Armut. Der Datenreport belegt einmal mehr, dass dies für den individuellen Lebensverlauf sehr nachteilige Auswirkungen haben kann: 

Mit 35% verfügt etwa ein Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland über keinen berufsqualifizierenden Bildungsabschluss, bei denjenigen ohne Migrationshintergrund sind es nur 9%. 36,5 Prozent der ehemaligen Gastarbeiter ab 65 sind armutsgefährdet, bei gleichaltrigen Deutschen ohne Migrationsgeschichte sind es nur 12,5 Prozent. 

„Mit Blick auf die hierher geflüchteten Menschen müssen zwingend Konsequenzen gezogen werden, um die stets geforderte Integration überhaupt möglich machen zu können. In der politischen Debatte zur Integration von Flüchtlingen dürfen sich die alten Fehler hinsichtlich der Teilhabechancen an Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt nicht wiederholen“, so Döcker. „Dazu müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden: Es braucht bessere Zugänge und Strukturen für Bildungsangebote für Migrantinnen und Migranten, z.B. gesetzliche Änderungen für die Berufsschulpflicht vom 16. bis zum 21. Lebensjahr und die Möglichkeit für Geflüchtete, von Anfang an Integrationsmaßnahmen teilhaben zu dürfen.“ 

Herausgeber des „Datenreports 2016. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland“ sind das Statistische Bundesamt, das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), das Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und die Bundeszentrale für politische Bildung. In dieser Ausgabe lag ein besonderer Schwerpunkt auf den Lebensbedingungen von Menschen mit Migrationshintergrund.

Artikel l 06.05.2016 l Jennifer Rotter

Quelle: www.awo-informationsservice.org