Aktuelles » Aktuelle Mitteilungen » Tag der Pflege 2016-05-11

Tag der Pflege – Situation der Beschäftigten in den Fokus stellen

Trotz einiger Reformen, müssen die Finanzierung und die Fachkräftesituation gelöst werden.

Zum morgigen Internationalen Tag der Pflege erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker:

„Die derzeitige Bundesregierung hat mit nunmehr drei Reformen der Pflegeversicherung und der Reform der Pflegeberufe ein beeindruckendes Pensum geleistet, um die Situation der zu Pflegenden und der Pflegenden zu verbessern und weiterzuentwickeln. So wurde mit der lange überfälligen Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs auch eine dringend notwendige Strukturreform der Pflegeversicherung eingeleitet. Trotzdem bleiben weitere große Baustellen, wie die Pflegefinanzierung und die Situation der Fachkräfte offen. Derzeit ist die Finanzierung von Pflege für die in den nächsten Jahren immer größer werdende Zahl von Pflegefällen weder nachhaltig noch ausreichend gesichert. Eine weitere stets  größer werdende Herausforderung ist die Fachkräftesituation. Immer mehr Pflegeeinrichtungen haben Not, qualifiziertes Personal zu finden.

Der Plan der Bundesregierung, bis 2020 ein sogenanntes Personalbemessungsverfahren zu entwickeln und zu erproben, kann nur als verfehlt bezeichnet werden, denn es sind bereits jetzt personelle Verbesserungen notwendig. Insbesondere die stationäre Pflege muss verbessert werden. Für die Beschäftigten müssen sich die Arbeitsbedingungen insgesamt positiv verändern, um den Beruf vor allem für junge Menschen wieder attraktiver werden zu lassen. 

Sollte das Personalbemessungsverfahren ab 2020 tatsächlich umgesetzt werden, sind weitere Schritte des Gesetzgebers notwendig: Die Umsetzung muss zum einen verbindlich festgeschrieben und darf nicht den Verhandlungen nach Kassenlage vor Ort überlassen werden. Zudem muss ganz klar geregelt werden, wie der personelle Mehrbedarf den ein solches Instrument aller Wahrscheinlichkeit als Ergebnis ermittelt wird, finanziert werden soll. Aus Sicht der AWO sollte der Gesellschaft noch klarer vermittelt werden, dass Pflege eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, für die die Pflegeversicherung zukünftig noch mehr Mittel benötigen wird. Eine geeignete Maßnahme wäre hier, die Versicherungspflicht auf alle Bevölkerungsgruppen und auf alle Einnahmearten auszuweiten. 

Darüber hinaus tragen auch die Medien eine Verantwortung für die Situation der Pflege. Eine differenzierte Berichterstattung, die sowohl über die verantwortungsvolle und gute Arbeit in den Pflegeeinrichtungen berichtet, aber natürlich auch aufzulösende Missstände im Fokus hat, muss in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Hier dürfen wegen einiger schwarzer Schafe nicht eine ganze Branche und deren Beschäftigte in Bedrängnis geraten. 

In der Pflege bleibt damit noch Einiges zu tun und auch die nächste Bundesregierung wird das Thema hoch oben auf ihrer Agenda halten müssen.“

Pressemitteilung | 11.05.16 | Mona Finder

Quelle: www.awo-informationsservice.org